Umsetzungsmöglichkeiten im Klassenunterricht

Im Hinblick auf die Erstellung eines Förderkonzeptes für die GGS „Bergische Straße“ haben wir unser Schulprogramm dahingehend überprüft und überarbeitet, individuelle Fördermöglichkeiten im Unterrichtsgeschehen aufzuspüren bzw. einzuplanen. Dabei zeigte sich, dass dies besonders in offenen Unterrichtsformen sowohl durch Selbstdifferenzierung als auch durch gezielte Förderangebote möglich ist. Wo Kinder gelernt haben, selbstständig zu arbeiten und zu kontrollieren, bleibt der Lehrkraft Zeit sich um einzelne Kinder und ihre speziellen Lernbedürfnisse zu kümmern.

Im folgenden möchten wir die von uns praktizierten offenen Unterrichtsformen vorstellen und deutlich machen, welche Maßnahmen auf welche Weise eine spezielle Förderung ermöglichen (in Fettdruck).

Freiarbeit

Die selbständige und eigenverantwortliche Auswahl aus Lernangeboten bietet uns täglich Möglichkeiten zur Differenzierung, zusätzlichen Übung und Ergänzung von Unterricht.

Durch das von der Lehrkraft bereitgestellte Material werden spezielle Lern- und Übungsinhalte präsentiert und je nach Bedarf ausgewechselt. Zum sinnvollen Einsatz dieses Materials gehört ein zielgerichtetes methodisches Einführen der Materialien im Unterricht. Im Einzelfall wird es erforderlich, die Materialien nach Schwierigkeitsgraden zu kennzeichnen.

Die während der Freiarbeit gewonnene Zeit der Lehrkraft kann genutzt werden, um einzelne Schüler zu beobachten und ihnen gezielt Empfehlungen zu bieten bzw. im Lernen zu unterstützen.

In regelmäßigen Kreisgesprächen zum Abschluss der Freiarbeit wird angestrebt, Lernerfahrungen und die Auswahlkriterien von Materialien im Hinblick auf den Lernfortschritt zu reflektieren.

Lernen an Stationen

Beim Lernen an Stationen wird durch die zielgerichtete Auswahl entsprechender Angebote und Materialien einerseits ein lehrergeleiteter Lernprozess in Gang gesetzt, der auf der anderen Seite dem Schüler die Möglichkeit bietet, sich selbst seinen persönlichen Lernzugang zu wählen. Das individuelle Fördern erfolgt durch eigene Wahl des Lerntempos und der Übungsintensität. Darüber hinaus werden unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Aufgabenzugänge angeboten. Durch Kontrollmöglichkeiten an den einzelnen Stationen kann eine sofortige Erfolgsrückmeldung der Schülerin oder dem Schüler über den Stand des Lernzuwachses Auskunft geben.

In einem abschließenden Gespräch soll den Schülern im gegenseitigen Austausch ein gewinnbringendes Lernverhalten näher gebracht werden.

Durch gezielte Auswahl von Partnern können Leistungsunterschiede genutzt werden, indem schneller lernende Kinder für andere als Helfer Verantwortung übernehmen.

Wochenpläne

Neben der Selbstdifferenzierung in Wochenplänen durch die Auswahl allgemeiner Pflicht- und Wahlpflichtaufgaben enthält der Wochenplan im Hinblick auf den Förderbedarf einzelner Schüler spezielle Lernaufgaben. Dies wird durch unterschiedliche Organisationsformen ermöglicht. Realisierungsformen sind individuelle Wochenpläne, Pläne mit zusätzlichen Pflichtaufgaben oder Pläne mit unterschiedlicher Zuteilung von Wahl- und Pflichtaufgaben.

Durch das Abstreichen der erledigten Aufgaben in einer Übersicht erhalten Kinder und Lehrkräfte die Kontrolle über den Stand der Erfüllung. Hierdurch hat die Lehrkraft die Möglichkeit individuelle Hilfe zu geben.

Werkstattarbeit

Das offene und vielfältige Arrangement von Lernsituationen und Materialien wird zum einen fächerübergreifend, thematisch orientiert angeboten oder dient als vielseitige Übungs- und Festigungsmethode über einen längeren Zeitraum.

Um den unterschiedlichen Lernausgangslagen aller Kinder gerecht zu werden, stehen ein „Überangebot“ an Aufträgen sowie differenzierte Aufgabenstellungen zur Verfügung. Aufgabenfolge, Tempo und Rhythmus zur Bewältigung gewählter Aufgaben können frei eingeteilt werden, so dass z.B. schneller lernende Kinder gefordert werden, aber Kinder mit besonderem Förderbedarf die Chance erhalten, entsprechend ihren Voraussetzungen Lernerfolge zu erzielen. Darüber hinaus kann insbesondere bei Übungswerkstätten durch Kennzeichnung einzelner Stationen Kindern mit speziellem Förderbedarf besondere Pflichtaufgaben zugewiesen werden.

Durch das in der Werkstatt herrschende „Helfersystem“ wird die Übernahme von Verantwortung gefordert und gefördert, indem Kinder als Ansprechpartner bei Fragen dienen, die Lösungen kontrollieren und die richtige Bearbeitung mit der eigenen Unterschrift bestätigen. Die – wie auch im Wochenplan – verwendete Übersichtsliste ermöglicht der Lehrkraft einen Überblick über die Auswahl der Aufgaben, so dass diese gegebenenfalls im Sinne der Lerneffizienz beratend eingreifen kann.

Auch hier wird die Arbeit durch regelmäßige Rückmeldungen zum Stand der Arbeit bzw. der Lernfortschritte in Kreisgesprächen unterstützt. Dabei haben die Kinder die Möglichkeit, aufgetretene Probleme und Fragen anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Die Lehrkraft ihrerseits hat dabei die Möglichkeit aufgetretene Schwierigkeiten zu erfahren und durch individuelle Maßnahmen zu beheben.

Lernen in Projekten

Das Lernen in Projekten wird von uns im großen Rahmen als Projektwoche fächerunabhängig und jahrgangsübergreifend angeboten oder in Form von Miniprojekten im Klassenverband. Ausgehend von einer bedeutsamen Fragestellung werden Arbeitsgruppen gebildet, die eine eigene Planung zur Aufgabenlösung vornehmen. Durch die sachbezogene Motivation der Projektarbeit und die damit verbundene Befriedigung werden auch schwache Schülerinnen und Sch+ler ermutigt Lernbarrieren zu überwinden bzw. zu vergessen.

Um diese Arbeitsform zur individuellen Förderung zu nutzen, greift die Lehrkraft bei Bedarf in die Gruppenbildung steuernd ein. Auch bei der Verteilung von Aufgaben innerhalb der Gruppe wird die Lehrkraft bei Bedarf beratend tätig, um eine unproduktive Unter- bzw. Überforderung zu vermeiden.

Arbeit am PC

Innerhalb aller bisher erwähnten offenen Unterrichtsformen bietet uns der Einsatz des Computers eine gute Möglichkeit zur individuellen Förderung. Diese wird von den bei uns verwendeten Lernprogrammen durch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und Lernhilfen ermöglicht. Bei der Auswahl der Aufgaben und der Schwierigkeitsgrade sollte die Lehrkraft beratend tätig werden. Eine unmittelbare Überprüfung der Lösungen mit entsprechender Rückmeldung ist bei allen von uns verwendeten Programmen inbegriffen. Einzelne Lernprogramme bieten darüber hinaus eine Steigerung der Schwierigkeiten je nach Lernfortschritt. Bevorzugt werden bei uns Programme, bei denen die Lehrkraft jederzeit den individuellen Lernfortschritt der Kinder abrufen kann.

Teamteaching im Eingangsbereich

Im Eingangsbereich versuchen wir – wenn uns ausreichend Lehrerstunden zur Verfügung stehen – möglichst täglich 1-2 Stunden in Doppelbesetzung („Teamteaching“) zu unterrichten. Auf diese Weise gelingt es uns besser, die Schulneulinge im Unterrichtsgeschehen zu beobachten und bei Bedarf auch einzeln oder in Kleingruppen auf ihre Stärken und Schwächen zu überprüfen. Subjektive Spontaneindrücke werden von einer zweiten Person verstärkt oder abgeschwächt und die Einschätzung der Schülerinnen und Schüler wird objektiviert. Auf diese Weise sehen wir uns schneller in der Lage, der/ dem einzelnen Schülerin/ Schüler möglichst frühzeitig nötige Hilfestellungen und individuelle Förderangebote zu bieten. Auch besonders starke Schülerinnen und Schüler können so schneller erkannt werden, können probeweise am Unterricht der höheren Klasse teilnehmen und bei Bedarf dorthin wechseln. Des weiteren können Eltern früher und gezielter dahingehend beraten werden, auf welche Weise sie ihr Kind beim Lernen unterstützen können bzw. welche externen Institutionen und Förderangebote wir zur Unterstützung des Lernerfolges für ihr Kind für empfehlenswert halten.

Über das Teamteaching wird es außerdem möglich, Schülerinnen und Schüler mit speziellen Leistungsstärken als Helfer auszubilden. Mit diesen Helferkindern können parallel zum Klassenunterricht mittels der zweiten Lehrperson Methoden und Verhaltensweisen eingeübt werden, mit denen schwächeren Schülerinnen und Schüler effektiv geholfen werden kann Unterrichtsinhalte zu üben und zu festigen.